OPPENHEIMER ANALYSIS

Blogged by Plastikmann as Frequency 7, Kolumnen — Plastikmann So 4 Jun 2006 18:04

Oppenheimer

1982 brachte eine junge Band – OPPENHEIMER ANALYSIS - Kassetten mit ihrer minimal-elektronischen Popmusik heraus. 23 Jahre später wird dieses Tape bei Enthusiasten und Sammlern hoch geschätzt, was wohl auch ein Grund für das neu gegründete amerikanische MINIMAL WAVE Label war, die Band sozusagen als Opener für das kommende Veröffentlichungs-Programm zu wählen. Im Dezember 2005 brachte das Label nun die erste offizielle 12“ der Band heraus und die Platte bietet neben 2 alten Songs vom Tape auch 2 neue bisher unveröffentlichte Stücke. Da mir die Musik der beiden Engländer schon vorher positiv aufgefallen war, nahm ich die EP zum Anlass, den beiden Herren hinter dem interessanten Bandnamen ein paar Fragen zu stellen.

Wie war es, in den 80ern in England aufzuwachsen. Meiner Meinung nach muss es eine ziemlich aufregende Zeit gewesen sein, weil so viele Bands sich zu dieser Zeit gegründet haben und in gewissem Sinne eine neue Ära in der Musikgeschichte begann.

Andy Oppenheimer:
Ich bin eigentlich in den 60ern in Nordengland aufgewachsen – ach so alt bin ich…
Ich verbrachte als Teenager eine Menge Zeit in Liverpool und begann dort auch Anfang der 70er zu studieren. Der Sound der Beatles war eines der aufregendensten Dinge in meiner Kindheit. Plötzlich war das Zentrum der Musik nicht mehr London oder New York, sondern Liverpool. Ich kam Mitte der 70er nach London und entdeckte die Punk und Party Szene. In den 80ern entdeckte ich dann neue, aufregende Clubs, die nur elektronische Musik spielten- die New Romantic Szene. Meine damalige Freundin (eine Bowie-Fanatikerin) und ich legten damals zusammen in einem Club Musik von den 50ern bis zu den 80ern auf. Wir trafen Siouxsie, Johnny Rotten, Boy George, Jimmy Sommerville, Vince Clarke, Gary Numan, The Mekons und jede Menge DJs. Sie gingen alle in die Clubs Blitz, Studio21, Planets usw. Was zählte, war die Musik. Und der Tanzstil war brillant, so etwas wie eine Roboter-Version des Jive der 50er.
Martin Lloyd.
Ich wurde in den 50ern geboren und wuchs in den 50ern & 60ern auf. Damals konnten Kinder noch sicher draussen spielen, in den Wald gehen oder allein ins Kino gehen. Wir hatten nur 2 TV-Kanäle und Radio und Platten (33, 45 und 78 rpm) hören war ein wichtiger Teil im Leben. Ich wurde Helfer in der örtlichen Kirche, weil ich den Klang der Orgel und den Chor liebte. Ich sang im Alter von 11 bis 17 im Schulchor aber mein eigentliches Interesse an klassischer Musik begann erst während des Studiums. Nach dem Punk, indem im Grunde jeder involviert war, der eine elektrische Gitarre hatte, begannen viele Leute mit Synthesizern und Home-Recording zu experimentieren. Es gab keine Kurse dafür, wer nicht gerade ein professioneller Studiotechniker war musste durch Versuch und Fehler lernen. Eine Menge fantastischer Musik entstand und das Meiste davon wurde auch veröffentlicht. Es wurde auch schlechte Musik herausgebracht, einiges davon klingt für das heutige Ohr interessanter als damals aufgrund der Öffnung der musikalischen Geschmäcker und Grenzen. Die meisten der experimentellen Bands kannte ich nur aus dem Melody Maker, Sounds, NME oder den frühen Home-Recording Magazinen wie Electronics & Soundmaker. Es war schwierig, die ganze experimentelle europäische Musik zu entdecken, weil die Kommunikation langsamer war und elektronische Musik Anfang der 80er nicht sehr populär war – die Leute entdeckten gerade New Wave und Indie und meinten Elektronik wäre unauthentisch und ungesund.

Wie wurde Oppenheimer Analysis gegründet?

Andy:
Ich traf Martin 1979 bei einer Science-Fiction Convention in Brighton. Wir verstanden uns auf Anhieb – wir mochten beide Science-Fiction und elektronische Musik. Irgendwann fragte er mich dann, ob ich mit ihm Songs schreiben und sie in seinem Studio aufnehmen wolle. Ich war zu der Zeit sehr am Kalten Krieg und Themen über nukleare Technik interessiert, so war der Name Oppenheimer sehr zutreffend. (Anm.d.R.:Oppenheimer war der amerikanische Wissenschaftler, der das Projekt zum Bau der ersten Atombombe leitete). Martin war an diesen Themen auch sehr interessiert und sein Label hiess Analysis – wir fügten beides zu OPPENHEIMER ANALYSIS zusammen. Wir hatten schnell genug Stücke zusammen um eine Kassette zu produzieren, inklusive der „New Mexico“ Kollektion. Wir verkauften sie in Clubs und auf Science-Fiction Conventions und sandten sie an Musikzeitungen und Magazine. Wir bekamen einige gute Kritiken und spielten 1982 live auf der WORLD BOWIE Convention. Danach folgten Auftritte in bekannten Clubs wie z.B. The Bell usw.
Martin:
Ich benutzte den Namen Analysis für meine Soloprojekte und für Sachen, die ich mit David Rome (Gründer von Survival Records) und Paul Ashley zusammen machte. Da ich ein technisch-wissenschaftlichen Interesse hatte, wollte ich einen Namen der einfach und komplex zugleich klingt. Nachdem ich ca. 1 Jahr mit Synthesizern und Bandmaschinen experimentierte, nahmen David und ich eine 7“ mit 2 Instrumental Stücken („Surface Tension“ & „Connections“) für sein Label auf. Man hört bei beiden Tracks eindeutig, dass wir die peitschen-ähnliche Percussion und Filter-Effekte mochten. Kraftwerk war definitiv der massgebliche Einfluss, ebenso ähnlich simple Strukturen wie z.B. BOOKER T und der STAX Sound. Es wurden 1500 Einheiten gepresst und die meisten davon gingen in die USA.
Als ich eingängigere Songs schreiben wollte, wandte ich mich an den talentiertesten, geistreichsten und intellektuellsten Menschen, den ich kannte. Durch Freunde aus der Club und Science-Fiction Szene hatten wir bald einige Fans, die uns unterstützten und bei unseren Auftritten halfen. Wir hörten nur auf, da ich Zweifel hatte, ein Full-Time Musiker zu werden, ich entschied mich, meine Karriere als praktischer Arzt fortzusetzen.

Ihr seid durch Bands wie die Beatles, Animals, Dusty Springfield und dem Motown Zeug beeinflusst. Was war euer erster Kontakt mir elektronischer Musik?

Andy:
Mein erster Kontakt war durch die experiementellen BEATLES Alben. Später dann auch Kraftwerk und der elektronische Disco-Sound wie DONNA SUMMER. Ich hörte Pop-Musik schon bevor ich laufen konnte – ich kann nicht ohne leben. Mersey Beat hatte den grössten Einfluss auf mich als ich jung war. Die Erfahrung war unbeschreiblich, niemand hatte solche Musik vorher je gehört. Seeleute brachten Musik aus Amerika mit nach Liverpool, Rock’n’Roll, R&B und Motown. Die Musik bestimmte meine Jugend. Ich liebe den Beat der 60er ebenso wie die Elektronik der 80er. Es gibt Tage, da möchte ich Lieder mit Gitarre schreiben, an anderen nur mit Synthesizern oder beides zusammen.
Martin:
Neben dem experimentellen Sound der BEATLES bei „Strawberry Fields Forever�, “Tomorrow Never Knows� und „Baby You’re A Rich Man“ liebte ich die Originalität von Syd Barret von PINK FLOYD. Zu meinen liebsten Alben aus den 70ern gehören unter anderem THE UNITED STATES OF AMERICA und ZODIAC COSMIC SOUNDS. Ich könnte die ganze Nacht wach liegen und den Visionen, die die elektronischen Instrumente beschwören, erliegen. Zur gleichen Zeit entdeckte ich die Musik von STOCKHAUSEN, MORTON SUBOTNIK und WALTER CARLOS durch die günstigen Compilations auf Vox Turnabout und ähnlichen Labels. Meinen ersten Kassettenrekorder, einen AKAI 4000DS, kaufte ich 1973 und begann experimentelle Sound-Flächen und Multi-Tracked Dichtungen voller Effekte, manchmal auch nur die Stimme allein aufzunehmen. Ich nahm z.B. auch einfach den Klang eines Raumes, des Gartens oder der Strasse auf, nur um ihn im Anschluss rückwärts und auf sonstige Weise wiederzugeben.

Oppenheimer

Ihr sagtet einmal, dass ihr Liebeslieder schreibt, aber die Angst vor Atombomben, dem Kalten Krieg und persönlichem Verrat hatten einen immensen Einfluss auf das Leben zur damaligen Zeit. Wie spiegelt sich das in euren Stücken wieder? Ich finde z.B. nicht, dass sie eine sehr angstvolle Stimmung verbreiten.

Andy:
Die Lieder, die ich in den 80ern schrieb waren durch meine wissenschaftliche Arbeit beeinflusst. Ich schrieb Texte über die Bombe und über die Ereignisse in der Welt, die uns alle betrafen, aber aus einem persönlichen Blickwinkel. Melodien, die ins Ohr gehen und minimale elektronische Musik zu der man tanzen kann. „New Mexico“ ist ein Stück über den Ort, an dem die Bombe entwickelt wurde und an dem die fliegenden Untertassen gesehen wurden. Ich besuchte die Orte etliche Male und sie hatten magische Effekte auf mich. Manche Songs können als Liebeslieder oder als Lieder über den nuklearen Krieg angesehen werden, wie z.B. „Scorpions“ und „Martyr“. Aus einem persönlichen Blickwinkel handeln sie von Betrug, Verrat, Verlust und dem was die Wissenschaft der Welt angetan hat. Ich denke, „Cold War“ ist unser ultimatives Stück zu dieser Zeit. Wir bauten die Bombe und das ist das Ergebnis. Wenn die 4-Minuten Warnung kommt, spielt dieses Lied.
Die neuen Songs, die wir 2005 aufnahmen, behandeln ähnliche Themen, aber auf dem heutigen Stand und persönlicher. „Under Surveillance“ ist z.B. über das FBI, dass während der McCarthy Affäre in den 50ern in Amerika Telefone abhörte oder heute wegen der Angst vor Terrorismus. Oder einfach über Paranoia.
Martin:
Obwohl Andys Stimme unemotional klingt, basieren die Songs auf emotionalen Erfahrung mit Freunden, Familie, der Gesellschaft und der Politik und einer Vertrautheit mit Extremen und der banalen Vorhersehbarkeit des Lebens

Warum habt ihr Oppenheimer Analyis reaktiviert?

Andy:
Das ist eine verrückte Geschichte: Letztes Jahr bekam ich Emails von Leuten aus Deutschland, die unser altes Tape „New Mexico“ bei Freunden oder im Internet gehört haben. Sie versuchten, mich ausfindig zu machen und fanden meine Artikel über Waffen und Massenvernichtung. Die Kassette wurde bei Internetradios gespielt und die Leute fragten nach CDs mit Musik aus dieser Zeit. Dann hörten Veronica Vasicka and Jason aus New York von uns und spielten Stücke der Kassette bei East Village Radio. Wir unterzeichneten kurz darauf einen Vertrag für ihr neu gegründetes Label Minimal Wave, es sollte eine 12“ Vinyl EP mit einigen der alten Songs herauskommen. Es war so aufregend und kurz darauf setzen Martin und ich uns zusammen, um neue Stücke zu schreiben. Martin hat noch mehr Equipment als früher und seit einiger Zeit kann man auf unserer Homepage die 4-Track-EP „Der Wissenschaftler“ bekommen.
Martin:
Wir hatten über die Jahre unregelmässig Kontakt und im Frühjahr 2005 bekam ich aus heiterem Himmel eine Email von Andy, in der er mir mitteilte, dass er von Veronica Vasicka und Leuten aus Deutschland durch das Internet ausfindig gemacht worden war. Zu meiner Verwunderung wurden Stücke wie „Cold War“ und „Devil’s Dancers“ in Internetradios und Clubs gespielt. Ich hätte nie damit gerechnet, dass sich Leute für die Kassetten interessieren, die wir vor 23 Jahren veröffentlicht haben. Mein eigenes musikalisches Interesse hat sich mittlerweile auf Jazz, irische, östliche und Musik vom Balkan ausgeweitet. Trotzdem bin ich nach wie vor fasziniert von elektronischer Musik wie Hip Hop, House, Drum & Base etc. Als ich merkte, dass elektronische Musik wie unsere immer noch begehrt ist, freute ich mich riesig, dass ich meine alten Synthesizer, Drum-Machines und Kassettendecks entstauben konnte um wieder mit Andy zu arbeiten. Ich brauchte die Inspiration, meine eigenen Songs und Texte sind sehr skurril, düster und monoton. Meine Kinder werden immer selbständiger und ich hoffe, dass ich noch einige Songs schreiben und aufnehmen kann, bevor ich die Fähigkeiten dazu verliere.

Wie stark hat sich eurer Meinung nach die Musik-Szene in den letzten Jahren verändert?

Andy:
In den 70 brachten kommerzielle Bands wie ABBA oder Disko-Künstler wie Donna Summer Synthesizer in die Pop und Dance Musik – es war fantastisch. Die Rock-Bands der 70er wurden langweilig und zu gross – der Punk wurde geboren. Später dann die nächste kreative Revolution: Die minimal-elektronischen Bands, die wir in den Clubs hörten: THE HUMAN LEAGUE (eine meiner All Time Favourites), OMD, SOFT CELL, FAD GADGET, JOHN FOXX, TELEX etc. Danach wurde die Elektronik kommerzieller wie z.B. bei den PET SHOP BOYS. Ich finde es gibt so unheimlich viele Stile in der heutigen Musik. Aber die grossen Rock und Pop Bands haben sich nicht wirklich verändert und eigentlich unterscheidet sich kaum jemand vom anderen.
Martin:
Mainstream-Musik wurde abwechslungsreicher aber auch vorhersehbarer. Es scheint, dass jede Musik ihr eigenes Publikum hat. Aber alles was kommt, war schon mal da. Wir müssen nun das Beste aus den Ideen und der Musik der Nachkriegszeit herausholen. Das ist auch der Grund warum die Playlisten und der Entdecker-Geist der unabhängigen Radios und der DJs so wichtig ist. Es gibt Tonnen unentdeckter Musik und es wird so wenig abwechslungsreiche Musik in den staatlichen Radios gespielt. Die DJs bewahren die versteckte Kultur und präsentieren uns die obskursten Amateurmusiker. Es gibt so viele Leute, die zuhause in ihrem Wohnzimmer oder in kleinen Studios Musik produzieren, die ohne den Einsatz der Enthusiasten und Spezialisten ungehört bleiben würde. Das Problem der digitalen Workstations und Software-Synthesizern ist das gleiche wie beim Home-Recording Boom: Es wird gute und schlechte Musik produziert, das Meiste davon bleibt jedoch unentdeckt, bis irgendwann ein DJ oder Fan kommt, der es ausgräbt.

Oppenheimer

Wie unterscheidet sich eure Herangehensweise and die Musik im Gegensatz zu früher? Ich denke (ich hoffe…), heutzutage seid ihr etwas gereifter und ihr habt in den letzten 15-20 Jahren eine Menge Erfahrungen gemacht. Habt ihr heute noch vor den gleichen Dingen Angst wie in den 80ern?

Martin:
Heutzutage sind die Ängste nicht mehr so greifbar und es ist gefährlicher, sie zu benennen. Die Bombe ist nicht mehr so allgegenwärtig, aber das kann sich ganz schnell wieder ändern. Heutzutage haben wir mehr von unseren Regierungen und unseren Nachbarn zu befürchten als von den Supermächten, die im Moment mehr damit zu tun haben, ihre eigenen sozialen und ökonomischen Probleme zu lösen. Heutzutage ist es schwieriger einzigartig zu sein und neue Themen zu entdecken. Andy und ich haben die Musik immer geliebt und haben nicht mehr so viele Verpflichtungen unserer Familie und unseren Arbeitgebern gegenüber. Wir sind selbstsicherer aber auch relaxter bezüglich unserer Musik und es ist über das Internet einfacher, ein Publikum zu finden und unsere Musik zu verbreiten.
Andy:
Meine Texte sind heute konkreter, einfach direkter. Meine Erfahrungen sind so umfangreich, dass ich mir nur die wichtigsten herauspicke. Ich konzentriere mich nicht auf Liebeslieder, es gibt schon so viele – ich versuche eher über Gefühle, Emotionen, Entdeckungen und wie immer über Verrat zu schreiben. Nach dem Kalten Krieg haben die Leute nicht mehr soviel Angst vor der Bombe aber nun gibt es Terrorismus. Ich arbeite sehr viel mit solchen Themen, also beeinflussen sie auch meine Texte.

Ich finde, eure Musik hat eine Ähnlichkeit mit sehr bekannten Bands wie OMD, THE HUMAN LEAGUE etc. Ich finde, die Bezeichnung Minimal-Elektro passt sehr gut. In welche Schublade würdet ihr euch packen und zählt so etwas für euch überhaupt?

Andy:
The Human League ist wie gesagt eine meiner Lieblingsbands und mit ihr verglichen zu werden ist wunderbar. Ich tue mich schwer damit, eine Bezeichnung für unsere Musik zu finden. Martin würde es sicherlich Minimal-Elektronik oder Cold Wave nennen. Aber wenn Du Dir einige unserer alten oder auch neueren Songs anhörst, wirst Du feststellen, dass wir „tanzbar“ genug für das Mainstream Radio sind, nicht nur für die Alternativen. Ich denke, das was bei uns Alternativ ist, sind auf jeden Fall die Texte, mein Image und unser Name. Ausserdem singe ich nicht im konventionellen „Rock-stil“ Einer unser neuen Tracks „Fellow Traveller“ ist etwas völlig Anderes, er ist überwiegend akustisch aufgenommen, mit Klavier und Martins neuer Gitarre. Es ist eine Ballade, die man eher im Radio oder am Ende eines Films hören könnte. Ich liebe das Stück, ich finde, es ist das Beste, was wir bisher geschrieben haben.
Martin:
Wir wollten nie wie irgendjemand anderes klingen, aber wir sind sehr glücklich, dass wir in der Kategorie Minimal-Electronik / Cold Wave eingeordnet werden, zusammen mit vielen unserer Lieblingsmusikern und Einflüssen. Durch Andys Interesse an der Kraft und Mehrdeutigkeit der Sprache und meinem Enthusiasmus für die trance-artige Wiedergabe und Schlichtheit ist es unwahrscheinlich, dass sich unser Sound und unser Image in der Zukunft stark verändern werden.

Ich finde, eure Musik ist heute spährischer als früher. Seht ihr das auch so ?

Martin:
Während Andy alle Spielarten der Popmusik liebt, neige ich eher zu den schlichten und reduzierten akustischen Klängen von New Wage, Ambient und Folk Musik. Eine gut aufgenommene Gitarre kann genauso wunderschön sein wie ein Synthesizer. Ich liebe die frühen Aufnahmen von NEU! Und MICHAEL ROTHER und sehe grosses Potential durch den Einsatz einer Gitarre. Ich habe Freunde, die Saxophon, Cello, Gitarre, Drums und Synthesizer spielen, in der Zukunft ist alles möglich, auch wenn es immer eine Entwicklung meiner eigenen persönlichen Reise sein wird. Wir könnten mit verschiedenen, ungewöhnlichen Einstellungen für Andys Stimme experimentieren aber die fortwährende Auslotung der Elektronik wird immer unser Hauptthema bleiben.
Andy:
„Fellow Traveller“ ist das beste Beispiel. Natürlich mögen Martin und ich Gitarren. Martin hat einige davon spielt hervorragend. Ich mag vor allem den „klirrenden“ 60s 12-string Sound der BYRDS. Ich bevorzuge Synthesizer für den Beat und wegen der interessanten Effekte. Nicht zuletzt die unendliche Zahl der Möglichkeiten, „Robotik“ und „String/Choral“ Sounds zu entwerfen. Synthetischer Sound passt oftmals auch besser zum Text, z.B. bei „Science“.

Bitte erzählt uns, welche Musik ihr momentan hört und ob ihr nach wie vor von wissenschaftlichen Fakten beeinflusst seid?

Meine momentanen Favoriten sind Madonnas elektronische Alben „Music“, „American Life“, „Ray Of Light“ Favoriten und das letzte „Confessions on a Dancefloor“ ist eines der besten Alben, die ich in den letzten Jahren gehört habe. Es ist schnell, voller Energie, grossartiger Klänge, hervorragend produziert…brillant. Ich kann nicht aufhören, es zu spielen. Ich höre sehr viel klassische Musik, unter anderem mag ich die Gruppe „EX CATHEDRA“, die religiöse und volkstümliche Musik aus dem Südamerika des 16.Jahrhunderts singen. Sie benutzen die gleichen Instrumente inkl. Drums und es klingt bombastisch. Ausserdem höre ich viel normale Popmusik, Techno und Trance. Natürlich bin ich nach wie vor von wissenschaftlichen Themen beeinflusst, von echten und imaginären. Hauptsächlich Phsysik, Weltraum und der Bombe, denn darin bin ich täglich involviert. Aber die Lieder handeln eher davon, wie diese Dinge mich und andere beeinflussen, als von der Wissenschaft an sich.
Martin:
Ich mache meine Hausaufgaben des 20. Jahrhunderts und höre soviel elektronische Musik wie möglich. Wenn man die gleiche elektronische Musik nach einigen Jahren wieder einmal hört, erscheint sie immer in einem neuen Kontext. Die ganze Masse der unentdeckten House, Techno and Trance Musik der 90er wartet nur darauf, von uns oder anderen Generationen wiederentdeckt zu werden. Ausserdem gibt es eine Menge unglaublich talentierter junger Jazz Musiker. Ich versuche, soviel Musik wie möglich zu hören, z.B. auch zu etwas New Country oder Metal. Die Wissenschaft entwickelt sich wie alles heutzutage so unheimlich schnell, dass es in Zukunft die Hauptsorge der Menschen zu sein scheint , bloss zu überleben ohne innerhalb kürzester Zeit hoffnungslos out of date zu sein. Die Hauptherausforderung für unsere Kinder wird sein, gesund zu bleiben und ein Gespür in einer chaotischen Welt zu behalten, die sich schneller ändert, als der Verstand wahrnehmen kann.

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