Bands aus Amerika haben es ja nicht immer leicht in Europa und wenn man dann auch noch Musik macht, die klingt, als wäre sie vor 20 Jahren entstanden, macht es das Ganze auch nicht viel leichter. Das Duo 2VM aus New York jedoch trotzt diesen Schwierigkeiten und beeindrucken durch eine Natürlichkeit, die so sympathisch wirkt, dass ich diese Band einfach mal vorstellen wollte. Ich hatte im April bei einem Auftritt der Band OPPENHEIMER ANALYSIS (siehe BLACK Nr. 43) dann sogar die Möglichkeit, die Beiden persönlich kennen zu lernen und da Veronica und Marc wirklich genauso nett sind, wie ich vermutet habe, hat das nun dazu geführt, dass ich euch in dieser Ausgabe 2VM vorstelle. Ich hoffe, ihr kommt am Ende zum gleichen Ergebnis wie ich: Nicht alle Amerikaner muss man mit Krieg und Weltpolizei in Verbindung bringen, manchmal zählt auch einfach nur die Musik.
Könnt ihr uns eine kurze Beschreibung von euch geben ?
Veronica:
2VM besteht aus 2 Leuten, Veronica Vasicka und Marc Houle. Ich komme aus New York und Marc aus Windsor, einer Stadt bei Detroit. Wir trafen uns durch einen gemeinsamen Freund, Gibby Miller, der ebenfalls Musiker ist. Was uns schließlich zusammen brachte, war unsere gemeinsame Liebe zu analogen Synthesizern und speziell den Sound der frühen Drum-Maschinen. Neben 2VM ist Marc noch in der Minimal-Techno Szene aktiv und veröffentlicht auf dem Minus Label (www.m-nus.com). Ich habe noch East Village Radio (www.eastvillageradio.com) und habe kürzlich das Label Minimal-Wave gegründet.
Eure erste Veröffentlichung war, soweit ich weiss im Mai 2005 auf dem deutschen Label GENETIC MUSIC (siehe Black Ausgabe 42). Habt ihr erst so spät angefangen, Musik zu machen oder gab es andere Gründe, erst so spät etwas zu veröffentlichen.
Veronica:
Vor 2VM haben wir schon getrennt voneinander Musik gemacht, die die gleichen analog-synthetischen Elemente beinhalteten. Unsere Zusammenarbeit begann im August 2004 und damals gründeten wir 2VM. Es ware eine ziemlich dynamische Zeit für uns, wir begannen sehr schnell damit, etliche Songs zusammen zu schreiben. So ungefähr im Dezember dachten wir dann, dass es für die Welt an der Zeit wäre, uns zu hören. Da wir wussten, dass wir wollten, dass unsere erste Veröffentlichung auf jeden Fall auf Vinyl sein sollte und wir beide sehr das 7“-Single Format mögen, haben wir beschlossen, so auch zu beginnen. Die beiden Lieder, die bei GENETIC MUSIC erschienen sind, „Placita“ und „Daybreak“, sind nur der Anfang von vielen Liedern, die in der Zukunft herauskommen werden. Unser musikalischer Kreativitäts-Prozess hat sich in der Zwischenzeit auch sehr verändert, da wir mittlerweile mehr in der Lage sind, zusammen im Studio zu arbeiten. Jeder für sich haben wir beide schon seit unserer Jugend Musik gemacht. Tatsächlich spielte ich in einer Band den Bass und Marc war Drummer in einer Band. Ich bekam mein erstes Casio Keyboard, den SK-1, zu Weinachten als ich 11 Jahre alt war, während Marc zu dieser Zeit schon mit den „bleepy“ Sounds des Commodore 64 herumexperimentierte. (Anm.d.R. der C64 war, ist und bleibt einfach der beste Computer der Welt !!!).
Marc:
Das war zwar der erste Release von 2VM, aber ich habe vorher schon Platten herausgebracht, die aber weder vom Sound noch vom Style Ähnlichkeit mit 2VM haben. Bevor ich Veronica vorgestellt wurde, kannte ich mich nicht sehr gut mit dieser ganzen Cold Wave / Minimal – Szene aus. Die Musik, die ich gemacht habe, war eher so ein aufpolierter New Wave Sound. Ich nehme an, dass ich im Gegensatz zu den meisten anderen Leuten aus dieser Szene erst sehr spät damit in Kontakt kam, aber lieber spät als nie, oder? Es war grossartig, auf GENETIC MUSIC zu veröffentlichen, Rhona und Rainer waren uns sehr behilflich und gaben uns die Freiheit, zu tun, was wir wollten.
Warum habt ihr eure Musik auf einem deutschen Label veröffentlicht ?
Veronica:
GENETIC ist ein Label, dass wir beide mögen und bewundern und es war das erste Label, dass uns in den Sinn kam, um die Musik heraus zu bringen, die wir zusammen gemacht haben. Wir wissen, dass elektronische Musik in Deutschland einen anderen kulturellen Stellenwert hat, als in den USA. Es gibt in Amerika kein Äquivalent zum deutschen GENETIC Label. Ausserdem gibt es in den USA kaum eine Minimal Elektronik / Wave Szene. Wir tun wirklich unser Bestes, um das zu ändern 
Marc:
Es mag für Nord-Amerikaner komisch klingen, auf einem deutschen Label zu veröffentlichen, aber es gab zu dieser Zeit im Grunde keine Alternative. Diese Musik ist hier bei uns nicht sehr bekannt und es gibt praktisch kein unterstützendes Netzwerk. Infolgedessen sieht man viele amerikanische und kanadische Künstler, die ihre Musik bei europäischen Labels herausbringen, oder das alte Bands ihre alten Sachen eher in Europa wieder veröffentlichen. Ich denke, dies ändert sich im Moment sehr stark und vielleicht stehen wir gerade erst am Anfang.

Ihr kennt ja Sean McBride, einem weiteren amerikanischen Künstler, der unter dem Namen MARTIAL CANTEREL auch schon bei GENETIC MUSIC veröffentlicht hat. Wie habt ihr euch kennen gelernt? Ich finde, Amerika und sogar New York sind einfach zu gross, um sich sozusagen zufällig über den Weg zu laufen.
Veronica:
Ich lernte Sean über Gibby Miller kennen. Eines Tages kam Gibby nach Hause, er war zu der Zeit mein Mitbewohne, und erzählte er: „Wow, ich bin gerade in die Arme eines alten Freundes gelaufen, der auch in diesem Haus wohnt, der hat die gleiche „Inertia – The Screen“ Single und analoge Synthesizer wie Du!“. Das war Anfang 2003. Er war gerade erst 2 Stockwerke über uns eingezogen und ich erinnere mich daran, wie ich ihn in seiner Wohnung besucht habe und sie war mit mehr analogen Synthesizern voll gestopft, als mir je erträumt hätte. Dann begann unser gemeinsamer Freund Pieter Schoolwerth, wöchentliche Coldwave / Dark Synth Parties unter dem Namen „Wierd“ zu veranstalten und wir alle haben ab und zu als DJs aufgelegt. Diese Party gibt es immer noch und es ist nur 5 Blöcke von uns entfernt. Und ja, Sean wohnt im 7.Stock und ich wohne auf der 5.Etage. Es ist ein unglaublicher Zufall. Das Schöne daran ist zum Beispiel auch, dass wir uns im fahrstuhl über Arp Einstellungen unterhalten können. (Anm.d.R.: ARP war von Mitte der Siebziger eine der ersten führenden Synthesizerhersteller weltweit) Marc und ich können mit Sean Equipment tauschen, was besonders gut ist, da man zum Beispiel ein Gerät erst ausprobieren kann, bevor man losrennt, um es zu kaufen.
Marc:
Es ist schon sehr ungewöhnlich, aber ich hatte schon Kontakt zu GENETIC, bevor ich Sean traf. Ich kannte Rainer schon fast 2 Jahre, bevor ich ihn traf und ich war sehr überrascht, als ich feststellte, dass jemand, der im gleichen Gebäude wie Veronica lebt, auf dem gleichen Label veröffentlicht. Ich hoffe, es kommt in der Zukunft zu gemeinsamen Projekten, Sean hat einen sehr grossen Wissen über die Geräte und ein grossartiges Ohr für schöne Sounds.
Eure Musik ist sehr eigentlich sehr altmodisch und meiner Meinung nach muss es doch heutzutage sehr schwierig sein, so etwas zu machen, da die Atmosphäre ja vor 25 Jahren eine ganz andere war. Warum macht ihr Musik in diesem Stil, Marc hat ja auch noch sein Minimal-Techno Projekt?
Veronica:
Wir lieben diese frühen analogen Klänge und all das Equipment, dass entwickelt wurde, bevor es MIDI gab. Es ist irgendetwas an diesen alten Synthesizern, das einfach zeitlos ist (unserer Meinung nach) und wir schätzen genau dass, was andere vielleicht als Limitierung ansehen würden. Für mich bedeutet es mehr Spass, zum Beispiel den Ausgang einer Drum-Machine dazu zu benutzen, einen MS 20 anzusteuern, als mit MIDI und einen Computer zu arbeiten. Der Klang (das Signal), das erzeugt wird, ist elektrisch und sofort da. Es ist warm. Man braucht keinen Computer, um die Musik zu machen, so wie es die meisten heute tun. Der Computer verhindert, dass wir verstehen, wie ein Sound entsteht, vom elektrischen Transport bis zum musikalischen Signal. Versteh mich bitte nicht falsch, es kann sehr hilfreich sein, aber ich möchte einfach den puren analogen elektronischen Klang verstehen. Ich mag diese kleinen Fehler, die nur entstehen, wenn man mit analogen Geräten arbeitet. Es ist schön, dass man die Noten mit den eigenen Händen spielen kann. Ich schätze, ich bevorzuge dies, da ich klassischen Klavier-Unterricht hatte, als ich klein war.
Wir saßen mal zusammen und hörten ein Lied und waren uns sofort einig, dass der Klang der Snare einfach perfekt war. Es war ohne Frage die KR-55 Snare, die wir beide lieben.
Lass es mich so ausdrücken: Wenn jemand heute in unser Studio kommen würde, könnte er meinen, er wäre im Jahr 1983, mal vorausgesetzt, er sieht nicht die Computer. Vielleicht entsteht dieser altmodische Sound, weil wir von all diesen altmodischen analogen Keyboards und Maschinen umgeben sind.
Marc:
Ich schätze, die Lieder klingen so „altmodisch“, weil die meisten Geräte mit den Sounds, die wir lieben kamen Ende der 70er – Anfang der 80er auf den Markt. Für mich ist der Sound eigentlich unabhängig vom Jahr, in dem wir gerade sind, das soll heissen, wir wollten keine alt klingenden Songs schreiben, wir machen einfach Lieder mit unseren Lieblingssounds, die nun mal aus dieser Zeit stammen – etwas verwirrend, oder ? Die KR-55 Snare ist zum Beispiel einfach wunderbar. All diese einfachen und warmen analogen Snares kamen in den 80ern heraus und es war einfach die beste Technologie, die man damals bekommen konnte. Mitte der 80er hatten die Snares viel „Slap Reverb“, seit die Technik in der Lage war, die Drums realistisch klingen zu lassen. Dann Ende der 80er und zu Beginn der 90er kamen die Bürsten- und Jazz-Snares in Mode und schliesslich wieder auch die sehr realistisch klingende Snare. Aber bei all dem waren für mich die möglichst technisch und eben nicht nach natürlichen Instrumenten klingenden Sounds am attraktivsten.
Ja, ich habe noch mein eigenes Minimal-Techno Projekt, ich schätze, dass Minimal Techno sich zu normalen Techno so verhält, wie Minimal Elektronik zu New Wave. Reduziert, nicht so billig, und mehr Wert auf die Lieder mit einfachen Melodien mit immer gleichen Sounds legen. Die Leute, die Minimal Techno mögen, sind genauso stark an der Musik interessiert, sie gehen nicht nur zu den Konzerten um die Zeit totzuschlagen und jemanden mit nach Hause zu nehmen. Ich bin froh, dass mir diese Karriere die Zeit und den Luxus ermöglicht neue Geräte zu erwerben und mir erlaubt, mehr Zeit dazu gibt, mich beiden musikalischen Stilen zu widmen.
Man muss eure Musik heutzutage mit alten Idolen wie z.B. CERAMIC HELLO oder LEAGUE OF NATIONS vergleichen. Ist es ok für euch, mit solchen Bands verglichen zu werden? Welche Bands würdet ihr selbst wählen, die so ähnlich klingt wie ihr?
Veronica:
Ob es ok ist? – Ich denke schon. Eigentlich fühlen wir uns sogar geehrt. Ich bin wirklich ein grosser Fan von all dieser Musik. Marc mag viel von diesem Zeug, seit er es in meiner Radio-Sendung gehört hat. Er hat sich sogar einige Platten selbst gekauft, zum Beispiel die LP von IKO’83. Einige Leute haben uns gelegentlich mit NINE CIRCLES verglichen, was ein unglaubliches Kompliment ist. Wir mögen zum Beispiel die Band DEUX aus Frankreich sehr und es gibt Ähnlichkeiten bei einem unserer neueren Songs. Es ist eine wirkliche Herausforderung, eine Band zu nennen , die so ähnlich klingt wie wir. Es gibt viele einzelne Sounds von vielen verschiedenen Bands in unseren Liedern, weil wir das gleiche Equipment benutzen, das diese Bands wahrscheinlich benutzt haben.
Ich finde, dass euer Equipment wirklich aus diesem sogenannten „Vintage“-Zeug bestehen muss. Könnt ihr uns eine kurze Zusammenfassung über eure Maschinen geben und vielleicht erklären WARUM ihr sie benutzt?
Veronica:
Wir geben Dir unsere Top 10 – oder dieses Interview würde sehr lang werden.
Als Marc und ich uns zum ersten Mal trafen, hatten wir beide, neben vielen anderen, den Mono / Poly, daher beginne ich mit ihm:
1. Korg Mono / Poly – für seine warmen und dynamischen Sounds
2. KR-55 – für seine wundervolle Snare
3. Juno 60 für seine speziellen String und Bass Sounds, wie kein Anderer
4. Korg MS-20 für seine multiplen Möglichkeiten
5. TR 808 für seine Kapazität (3 programmierbare Trigger Outs) und besonders für seine Kick-Drums
6. ARP 2060 – für seine Programmierbarkeit
7. Pro-One – für seine intensiven ausgefallenen Bass-Sounds und Empfindlichkeit
8. CR-78 – Genug gesagt
9. MFB 501 – weil er so wahnsinnig einfach ist und einfach Spass macht
10. Prophet 5 & Jupiter 8 – weil wir sie bisher noch nicht haben (aber wir lieben sie!!!)
Marc:
Unsere Lieblings-Sounds stammen aus den Maschinen aus den frühen 80ern, die nicht alle Sample-generiert waren (was wahrscheinlich der Trend der nächsten 20 Jahre sein wird) sondern auf die herkömmliche Weise Töne erzeugten – Oszillatoren durch Filter kreieren sehr eigene und warme Töne. Erst jetzt, mit dem Aufkommen einiger sehr netter Computer-Synths, hat man digitale Klänge, die sehr nahe an die Wärme des analogen Signals herankommen. Die Synthesizer, die ich benutze, zeigen das ganz besonders, zum Beispiel der Juno 60, einer der wärmstes Synths, die ich je gehört habe. Seine Pads sind wunderschön und reichhaltig und der Bass ist sehr sehr warm. Sein Chorus ist ebenfalls unvergleichlich. Mein erster Synthesizer war der Roland JX-3P, aber er ist total anders als der Juno, er ist sehr dünn und kalt, ein Grund, warum ich ihn schon Jahre nicht mehr angefasst habe. Ich hatte auch mal eine pure digitale Phase, in der ich die ganze Bandbreite der 8-bit Computer Sounds – während dieser Jahre bestanden meine Geräte aus Kawais, Ensonig und viele andere der frühen digitalen Synthesizer, aber mit Beginn der modernen Computer-Programme sind all diese Geräte überflüssig geworden. Während der 90er und in den frühen 2000er benutzte ich hauptsächlich Computer, um Musik zu produzieren, weil es Benutzerfreundlich war und man schnell eine qualitativ gute Aufnahme hinbekam. Man konnte Lieder schreiben, die kein Grundrauschen oder Bandzischen haben und sie sofort in einer erstaunlichen Qualität auf CD brennen. Aber man opfert die Wärme der analogen Aufnahme. Heutzutage sind wir schließlich in der Lage, dies alles, was wir gelernt haben, zu kombinieren um ein hybrides Studio aufzubauen, mit all den Vorteilen unserer alten, analogen Geräte zusammen mit den modernen Aufnahme und Sequenzer-Möglichkeiten eines Copmuters. Ich wünschte nur, man würde endlich ein USB-Bandmaschine erfinden.
Neben eurem musikalsichen Interessen betreibt Veronica noch ein kleines Label. Könnt ihr unseren Lesern etwas darüber erzählen? Ist es nicht besonders in den USA sehr schwer, ein kleines Label zu betreiben. Was ist eure Haupt-Idee, aus dem ihr ein eigenes Label habt?
Veronica:
Das Minimal-Wave Label haben wir begonnen, weil wir finden, dass es zu viel gutes Material gibt, zu dem die Leute zu wenig Zugang haben. Es waren Bands, wie wir, die zuhause ihre Musik produzierte und die in ihrer Zeit einfach nicht das Mass an Aufmerksamkeit bekamen, dass ihnen zugestanden hätte. Die Idee war, diese Bands zu einem neuen Leben zu verhelfen. Ich hatte früher eine Art „Boom-Box“-Kassettenrekorder und ich mochte dieses Fromat. Ich stellte fest, dass es eine ganze Menge Bands gab, die durch dieses Medium existierten und nachdem dieses Medium überflüssig geworden ist, sind diese Bands in der Versenkung verschwunden. Oppenheimer Analysis nahmen zum Beispiel bis letztes Jahr nur 1 Kassette auf. Nun kann man sie auf Vinyl hören und sogar auf CD, wenn man mag. Mein Interesse besteht hauptsächlich darin, Vinyl heraus zu bringen, weil ich glaube, dass es am Ende all die anderen Audio-Formate überleben wird.
Und da Du ja ein wirklicher Musik-Fanatiker (im positiven Sinne) zu sein scheinst, hast Du auch noch eine eigene Radio-Sendung beim amerikanischen Internet-Radio Eastvillage Radio. Wie wichtig ist all diese Musik für Dich und wie gross ist der Einfluss auf Dein tägliches Leben?
Veronica:
Die Musik ist unheimlich wichtig für mich. Ich ertappe mich jeden Tag dabei, wie ich nach diesen lange vergessenen Helden suche. Es macht mir soviel Freude, diesen Minimal-Wave Sound zu hören. Das wichtigste an der Idee des Radios ist es, die Musik und die Informationen zu den Leuten zu bringen, die normalerweise keinen Zugang dazu haben. Es braucht immer Stunden der Suche und exzessiven Suchens und Sammelns um an diesen Punkt zu gelangen. Auch wenn es normalerweise bei den Sammlern üblich ist, die Informationen sozusagen „geheim“ zu halten, will ich das genaue Gegenteil tun. Ich möchte all diese Infos über die Bands zugänglich und offen für die Menschen machen. Ich möchte den alten Bands die Aufmerksamkeit geben, die sie in der Vergangenheit nicht bekommen haben, auch wenn das schon 25 Jahre her ist. Sie haben Musik gemacht, die Menschen und die Musik-Kultur beeinflusst haben. Ich möchte mit meiner Sendung ihre Wichtigkeit im grossen Bild von der Welt zeigen. Das Gleiche trifft auch auf das Label zu. Es besteht, um die Informationen zu verbreiten und gleichgesinnte Leute zusammen zu bringen.
Nun wieder zurück zu 2VM. Könnt ihr uns einige Bands nennen, die sehr wichtig für eure eigene musikalische Bildung waren?
Veronica:
Ich wuchs mit New Wave, Industrial, Gothic und etwas Punk auf. Als ich 12 war hatte mein älterer Bruder eine Kassetten-Sammlung die unter anderem folgendes beinhaltete: New Order, Echo and the Bunnymen, The Cure, The Church, Depeche Mode und Simple Minds. Im Hintergrund hörte diese Kassetten den ganzen Tag und das beeinflusste mich zu der Zeit. Meine Mutter liebte Tango und kolumbianische Musik, die sie zuhause hörte. Ich mochte es nicht wirklich, aber sie meinte, dass ich sie später schon mögen würde. Also hörte ich Kraftwerk, Depeche Mode, Joy Division, DIJ, the Cure, early Sisters of Mercy, Siouxsie and the Banshees, the Wake, Bauhaus, Einstürzende Neubauten, Crass, Esplendor Geometrico, Front 242 (Geography-LP) und Cabaret Voltaire. Ausserdem war da ein grossartiger Radiosender, WLIR I, den ich hörte als ich 13 war. Ich nahm die Musik aus dem Radio auf und spielte sie auf meinem Kassettenrekorder. Ich ging in die Clubs wie das Limelight und tanzte die ganze Nacht durch. Ich war zu jung dafür, aber die Musik zog mich an. Als ich 16 war, wurde Throbbing Gristle zu einem wichtigen Teil in meinem Leben. Ich wollte alle TG Aufnahmen haben, die je gemacht wurden und einige Jahre später auf der Kunstschule habe ich mir TG Videos in den Schlafsälen angeschaut. Ich erinnere mich, dass ich eine alte Bass-Gitarre hatte und einen Casio SK-1 und einen Tascam 4-Spur-Rekorder. Ich nahm den handlichen Kassettenrekorder überall mit hin und nahm seltsame Geräusche und zum Beispiel Live-Bands in denen meine Freunde spielten auf. Dann machte ich Geräusche mit der Bass-Gitarre, spielte einige Kassetten und einen Casio-Rhythmus ab und nahm alles auf dem 4-Spur-Rekorder auf. Ich denke, TG war diesbezüglich ein sehr grosser Einfluss.
Marc:
Ich wuchs mit den alten 50er und frühen 60er Sachen auf, die meine Eltern die ganze Zeit hörten. Als ich älter wurde, lebte ich praktisch in 3 Welten: Ich war Drummer, ich liebte frühe Metal-Musik (Iron Maiden, Van Halen, Motley Crue, Black Sabbath etc.) aber ich begann auch, Synthesizer zu spielen, also hörte ich auch Depeche Mode, Simple Minde, OMD, Love & Rockets und andere New Wave Bands von 1983-85. Als ich fortfuhr, wurde ich auch von den Sounds der Videospiele überflutet und ich spielte SEHR VIEL mit dem Commodore 64. Videospiele waren ein wichtiger Teil meiner Familie seit meine Eltern PONG von Atari in den 70ern mitgebracht hatten. Wir veranstalteten regelgerecht Turniere. Diese Beeps die aus das TV quäkten, waren etwas völlig neues, das man nie zuvor gehört hatte. Heutzutage würde ich sagen, dass meine Musik ein Derivat aus diesen 3 Aspekten ist – New Wave Sounds, frühe Metal Harmonien und Programmierung und natürlich die Sounds der Videospiele.
Soweit ich weiss, gibt es bereits 15 fast fertige produzierte Stücke von 2VM. Wann können wir mit einem kompletten Album rechnen? Würdet ihr es auf eurem eigenen Label herausbringen?
Veronica:
Ja, wir haben eine Menge Songs, das ist wahr. Es ist alles fertig und könnte sofort herausgebracht werden, wir müssten nur eine Auswahl treffen und uns für ein Format entscheiden. Wir könnten es selbst herausbringen, aber auf eine Art und Weise würde ich es bevorzugen, wenn jemand anderes es veröffentlichen würde. Es ist so, als wenn ich meien eigenen Stücke im Radio spiele, es macht nicht so viel Spass als wenn jemand anderes sie im Radio oder in einem Club spielt. Es wäre ausserdem schön, etwas von dem Prozess zurücktreten zu können und wenn jemand anderes seinen Stempel darauf drückt oder die „Stimme“ zwischen dem Künstler und der Öffentlichkeit ist. Es gibt dem Ganzen einen interessanten Zug, wenn man darauf vertraut, dass diese Person die richtigen Schritte wählt, die Musik herauszubringen. Und ausserdem ist es eine grosse Herausforderung, sich selbst zu promoten.
Marc:
Ja, es stimmt, wir haben viele Songs aufgenommen und wir beide wollen sie als ein Album herausbringen. Die meisten Lieder arbeiten auf einer regulären Basis, damit meine ich, dass sie nicht nur einfach herumliegen und warten, sondern sich konstant verändern und verbessern. Wir sind sehr nahe dran, einige Tracks fertig zu haben, um sie pressen zu lassen. Es wäre sehr schön, jemanden zu haben, der beim Verkauf, der Vermarktung und bei der Promotion des Albums helfen würde, aber zur gleichen Zeit wäre es toll, das Album selbst heraus zu bringen, um mit den Leuten, die es kaufen und mögen Kontakt zu haben. Veronica hat schon ein Label und daher glaube ich, dass es einfacher wäre, als ganz von vorne zu beginnen. Aus diesem Grund sind wir beide sehr bestrebt, etwas zu veröffentlichen.
Heutzutage ist es für einen Musiker normal, ein eigenes kleines Studio zu haben. Wie ist es mit euch und könntet ihr euch vorstellen, wie die Leute in den 80ern zuhause auf dem Schlafzimmerboden zu sitzen und seltsame Musik mit seltsamen Geräten zu machen.
Veronica:
Ich glaube nicht, dass es einen so grossen Unterschied zu uns gibt. Wir haben erst in den letzten 2 Jahren Keyboardständer gekauft, vorher standen meine Keyboards immer auf Stühlen. Es war sehr archaisch. Ich erinnere mich daran, wie ich von den 49 sec. Romance Song (Anm.d.R. P1/E – „49 sec. Romance“ Single auf Exil-System © 2/80). Ich habe ein Cover von dem Song gemacht, indem ich die Drum-Buttons live gespielt habe - auf dem Sequential Circuits TOM - zu dem gleichzeitig laufenden Lied. Ich hatte nur einen Synthesizer, der alles andere gemacht hat – das war wirklich minimal.
Marc:
In den 80ern saßen wir beide mit unseren Casios auf dem Boden und nahmen aus dem Radio auf. Ich schätze, dass sich soviel gar nicht geändert hat, ausser dass wir mehr Synthesizer haben, bessere Aufnahme-Geräte und Keyboardständer. Aber die Freude am Spielen ist die gleiche und die Methoden sind die gleichen. Ich glaube ausserdem, dass meine Keyboard-Technik sich nicht stark verbessert hat, aber mein Gehör für die Produktion ist besser geworden.
Könnt ihr uns am Ende einige Pläne für die Zukunft verraten?
Veronica:
Unsere Pläne für die Zukunft sehen unter anderem ein paar Shows vor, wir hoffen im Oktober 2006 in Deutschland und Belgien auftreten zu können. (Anm.d.R. Daten: 07.10. im Zischenfall, Bochum) Wir freuen uns wirklich darauf, weil wir glauben, dass dies auch eine Möglichkeit ist, Leute zu erreichen, die vielleicht normalerweise nicht unsere Platten kaufen würden. Leute, die in Discos gehen, rennen nicht immer auch in die Plattenläden oder hören zuhause viel Musik. Ausserdem ist es gut, die Sachen, die wir im Studio entwickelt haben für einen Auftritt auf der Bühne zu übersetzen. Zudem gibt es noch Pläne, auf Minimal Wave weitere Sachen zu veröffentlichen und die Seite (www.minimal-wave.com) weiter auszubauen. Es wäre schön, ein Netzwerk mit Leuten zu haben, die zu der Seite beitragen und ein Teil davon werden. Das ist es, was ich in der Zukunft machen will.
Marc:
Meine momentanen Pläne sind, weiterhin Minimal-Techno zu machen und damit zu touren und hoffentlich bald als 2VM auf Tour zu gehen. Ich denke, es wird ein grosser Spass, als Band und nicht nur als Solo-Artist zusammen zu spielen. Ich würde gerne mit anderen Bands, die die gleiche Musik machen auftreten. Und wie immer will ich weiter im Studio arbeiten und meine eigene Musik aufnehmen.
Links:
www.minimal-wave.com
www.geneticmusic.de